Weltordnung - Cambridge Club https://cambridge-club.com Wissen ist Macht Sat, 20 Jan 2024 06:05:07 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.2 https://i0.wp.com/cambridge-club.com/wp-content/uploads/2023/04/cropped-logo-anchor-small.png?fit=512%2C512&ssl=1 Weltordnung - Cambridge Club https://cambridge-club.com 32 32 Neue Welle der Globalisierung – Dollar vs. RMB & Co https://cambridge-club.com/neue-welle-der-globalisierung-dollar-vs-rmb-co/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=neue-welle-der-globalisierung-dollar-vs-rmb-co Sat, 20 Jan 2024 06:04:50 +0000 https://cambridge-club.com/?p=2797 Der Hauptfaktor für steigende Edelmetallpreise für Gold & Silber wird der monetäre Orkan der BRICS+ sein, der zur Abwertung des US-Dollars führtIn Vergangenheit habe ich oft schon viele spannende Analysen aufgegriffen, die eine Abwendung vom US-Dollar als Weltleitwährung bestätigten.Der Philoinvestor veröffentlichte vor einem Jahr ebenfalls eine interessante Analyse: „Peak American Empire“ über die in englischsprachigen Kreisen sehr […]

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Der Hauptfaktor für steigende Edelmetallpreise für Gold & Silber wird der monetäre Orkan der BRICS+ sein, der zur Abwertung des US-Dollars führt

In Vergangenheit habe ich oft schon viele spannende Analysen aufgegriffen, die eine Abwendung vom US-Dollar als Weltleitwährung bestätigten.

Der Philoinvestor veröffentlichte vor einem Jahr ebenfalls eine interessante Analyse: „Peak American Empire“ über die in englischsprachigen Kreisen sehr beliebte Plattform Substack, die den unabhängigen von Lesern bezahlten Journalismus fördert. Über Substack veröffentlichen auch sehr bekannte Investigativ-Reporter wie Seymour Hersh, der in seinen Recherchen offenlegte, dass die Terroranschläge auf das europäische Infrastrukturprojekt Nord Stream 2, mit voller Absicht mutmaßlich von den USA und ihren Verbündeten Ukrainern verübt wurde.

Man könnte zum Schluss kommen, dass die USA alles daransetzen, ein „vereinigten und (zoll-) freien Wirtschaftsraum Eurasien“ zu verhindern, der von Peking bis Lissabon reichen und Milliarden Menschen näher bringen würde. Ein Eurasien in dem das industrialisierte Deutschland mit Sicherheit eine zentrale Rolle eingenommen hätte.

Abbildung: Sie sehen, dass die relative Bedeutung von Europa und den USA im Vergleich zu Asien wieder auf dem Weg zu seinem „natürlichen“ Gleichgewicht ist, das seit Ende des römischen Reiches bis zum 19. Jahrhundert vorherrschte.

Während sich die meisten Anleger sich der damit verbundenen Verwerfung noch gar nicht bewusst sind, ist die Abwendung vom Dollar und den Dollaranleihen an den Finanzmärkten schon heute eine Tatsache. Obwohl diese Entwicklungen noch am Anfang zu stehen scheinen und über die letzten drei Jahre als ein für die Öffentlichkeit kaum wahrzunehmender schleichender Prozess begonnen hatte, werden die gestellten Weichen in einer unaufhörlichen Beschleunigung, bis zu einer chaotischen Absturzphase führen.

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos, brachte der neue Präsident Argentiniens es auf den Punkt: 

„Ich bin hier, um Ihnen zu sagen, dass die westliche Welt in Gefahr ist... weil diejenigen, die die Werte des Westens verteidigen sollen, von einer Weltanschauung vereinnahmt worden sind, die unweigerlich zum Sozialismus und damit zur Armut führt.“

Einige Goldinvestoren waren offensichtlich enttäuscht, als die BRICS-Länder (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) bei ihrer Jahrestagung im August letzten Jahres keine entsprechende goldgedeckte Währung eingeführt haben. Das Format war dafür auch nicht vorgesehen. Trotzdem wissen wir von Aussagen der BRICS-Staatschefs, dass sie weiterhin die Schaffung einer eigenen Handelseinheit anstreben. Der derzeitige Stand der Entwicklung liegt in einer Förderung von lokalen Währungsgeschäften zwischen den BRICS.

Wobei vor allem die Abrechnung der Rohstoffimporte Chinas, in chinesischer Währung, dem RMB stark zugenommen hat. Zentral ist dabei die Abwendung der arabischen Welt vom Petrodollar-System, das einst sicherstellte, dass Ölexporte aus Saudi-Arabien in Dollars bezahlt und auch im Dollarraum gehalten wurden. So verhinderten die USA eine ausufernde Inflation, trotz massiver Ausweitung seines Handelsbilanzdefizits.

Die Welt hielt laut IWF Angaben im 4. Quartal 6,5 Billionen US$ an Währungsreserven in US-Dollar, jedoch scheint der unaufhörliche Trend nach oben bereits zu stottern, denn zu Jahresbeginn 2023 waren es noch 6,63 Billionen US$. Obwohl das US-Zwillingsdefizit, bestehend aus Handels- und Haushaltsbilanz, von Rekord zu Rekord eilt und die Zinsen massiv stiegen, waren ausländische Investoren (netto) nicht mehr bereit das Dollarsystem zu finanzieren wie früher und zogen sogar 130 Milliarden US$ aus diesem System ab. Auch der Euro hat umgerechnet 36 Mrd. US$ eingebüßt, sodass die Weltreserven insgesamt rückläufig waren.

Im Prinzip gab es seit Jahrzehnten nur eine vergleichbare Phase, in der die Weltwährungsreserven zurückgingen, während der Finanzkrise 2008 und seitdem haben die Goldreserven immer weiter zugenommen:

Oben links sehen Sie die historische Zunahme der Geldreserven auf 12.000 Milliarden US$ (58% aller Reserven) und rechts die Goldreserven der Weltzentralbanken in Tonnen. Würde man die gesamten Reserven in Gold decken, müsste der Goldpreis bei mindestens 10.000 US$ notieren.

Laut einem im Frühjahr 2023 veröffentlichten Bericht des IWFs, dessen Daten schon zwei Jahre veraltet waren, sehen Sie ein erhebliches Wachstum bei den Währungsgeschäften in chinesischen RMB.

Ich empfehle Ihnen den Bericht des IWF wirklich genau zu lesen, denn er beschreibt sehr gut den Aufstieg von Chinas Währungssystem, das sich global immer weiter vernetzt:

Ungeachtet der Kapitalverkehrsbeschränkungen begann die People's Bank of China (PBC) nach der globalen Finanzkrise 2008, die Internationalisierung des RMB zu fördern. Der damalige Gouverneur Zhou Xiaochuan rief zu einer Reform der globalen Finanzarchitektur auf (Zhou, 2009), was bei einem späteren Treffen der Gruppe der 20 (G20, 2009) aufgegriffen wurde.

Im Jahr 2009 begann die PBC, grenzüberschreitende Abrechnungen in RMB zuzulassen, zunächst im Rahmen von Pilotprojekten in ausgewählten Provinzen und seit 2011 landesweit. Aufgrund der strengen Kontrolle der grenzüberschreitenden Kapitalströme ist die RMB-Liquidität außerhalb Chinas begrenzt.

Um dieses Problem zu lösen, hat die PBC bilaterale Swap-Linien (Anhang II) und Offshore-Clearingbanken eingeführt, um die grenzüberschreitende Verwendung des RMB zu erleichtern.

Im Jahr 2015 wurde der RMB in den Korb der Sonderziehungsrechte aufgenommen, ein Meilenstein der Internationalisierung des RMB.

Seit 2017 hat sich auch die finanzielle Liberalisierung Chinas beschleunigt und die inländischen Kapitalmärkte sowie der Finanzsektor im Allgemeinen für ausländische Investoren geöffnet, und RMB-Anleihen wurden in wichtige globale Indizes aufgenommen (Schipke u. a. p(2019)).

Wenn sich diese Trends fortsetzen, werden sie dazu beitragen, die finanzielle Integration Chinas mit dem Rest der Welt zu vertiefen und Hindernisse für die globale Verwendung des RMB abzubauen.“

Wobei 25 % der Länder, die den RMB am meisten nutzen ihren Anteil der chinesischen Währung RMB an ihren internationalen Überweisungen in den letzten 10 Jahren von praktisch 0 auf über 70 % erhöht.

Dabei werden zusehends mehr Transaktionen über das chinesische länderübergreifende CIPS-System (Cross Border Interbank Payment System) als SWIFT-Alternative abgewickelt. So wuchs das Transaktionsvolumen von CIPS seit 2020 um 200%.

Die oft ausgesprochene Behauptung, der RMB würde bei internationalen Währungsgeschäften immer das Nachsehen gegenüber dem US-Dollar haben, weil er bisher nicht frei konvertierbar sei, also strikten Kapitalverkehrskontrollen unterliegt, ist nach dieser Betrachtung schlichtweg antiquarisch.

Ein weiterer Faktor, der die sinkende Bedeutung des US-Dollars gut erklärt, ist die Kreditvergabe für die Projekte der neuen chinesischen Seidenstraße (BRI), welche den Dollar seit 2020 als wichtigste Rechengröße verdrängt hat:

Wie Philoinvestor in seinem Artikel schrieb:

„Es muss kein direkter Konkurrent des Dollars vorhanden sein, damit das System zusammenbricht. Tatsächlich bricht das System zusammen, wenn das Ausland beginnt, seine Dollarreserven zu reduzieren, weil das System immer höhere Dollarreserven braucht, um zu funktionieren.“

Gewinner der neuen, weniger US-zentrierten Weltordnung sind die BRICS und ASEAN-Staaten

Darunter sind Aktien und Anleihen von Schwellenländern, die ein prominenter Geldmanager derzeit als einmalige Gelegenheit bezeichnet.

In einem faszinierenden Aufsatz weist Louis-Vincent Gave, vom gleichnamigen Gavekal Research, auf die jüngsten tektonischen geopolitischen Veränderungen von den politischen Maßnahmen der USA hin. Wie die Sanktionen gegen Russland.

Gavekal Research betonte, dass diese Veränderungen dazu führen, dass Russland praktisch nur noch Rohstoffe in seiner eigenen Währung (Rubel) oder an befreundete Handelspartner in lokaler Währung verkaufte, wie dem chinesischen Renminbi, in indischer Rupie, dem brasilianischen Real oder thailändischen Baht anstelle des Dollars.

Um US-Zölle und Handelsbarrieren zu umgehen und seinen Absatz näher an sein Land zu bringen, würde auch China seine Handelsrouten von Nordamerika in andere Schwellenländer verlagern, so Gave. Der Handel zwischen den (BRICS+)-Schwellenländern würde also nicht mehr durch den US-Dollar bestimmt, so Gave weiter und kann das durch seine eindrucksvolle Grafik belegen, welche das monatliche Importvolumen für Rohstoffe aus Russland nach China und Indien belegt:

Das US-Anlegermagazin Barrons berichtete über die Erkenntnisse von Louis Gave:

„Gave verglich dies mit den Ereignissen nach dem Fall von Konstantinopel an die Osmanen im Jahr 1453, was bedeutete, dass Europäer, die Seide oder Gewürze aus Asien wollten, bezahlen mussten, was immer die Osmanen verlangten. Um diese Kosten zu vermeiden, segelte Christoph Kolumbus 1492 auf der Suche nach einer neuen Route nach China, während Vasco da Gama 1498 durch Afrika nach Indien ging. Im 19. Jahrhundert rutschte das Osmanische Reich in wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit.

Die Globalisierung endete damals nicht, aber ihre Zentren verlagerten sich nach London, Rio de Janeiro und Kapstadt, schrieb Gave.

„Heute scheint die Vorstellung, dass sich die Welt de-globalisiert, jedem, der in Dubai, Singapur, São Paulo oder Mumbai lebt, lächerlich zu sein. Vielmehr durchläuft die Welt eine neue Welle der Globalisierung, die sich von ihren Vorgängern unterscheidet.

Chinas Handelsüberschuss ist gestiegen, bemerkte er, da er die Exporte in der Wertschöpfungskette nach oben verschoben und aggressiv preisige Investitionsgüter wie Automobile exportiert hat. Diese Waren gingen nach Südostasien, in den Nahen Osten und nach Afrika, anstatt in die USA.

Und da die Vermögenswerte der russischen Oligarchen beschlagnahmt wurden, ist es weniger wahrscheinlich, dass die Einnahmen in westliche Vermögenswerte recycelt werden, von Pariser Immobilien über englische Fußballmannschaften bis hin zu den USA. Staatsanleihen und mehr in die Schwellenländer selbst, behauptete Gave.“

Eine regelrechte Überraschung sei daher, dass Staatsanleihen aufstrebender Länder, die in US-Dollar notieren, die Entwicklung von US-Anleihen übertroffen hätten.

Gave stellte auch fest, dass die Rendite für diese Emerging Markets-Staatsanleihen unter die der fünfjährigen US-Anleihen gefallen sei, was sehr ungewöhnliches Phänomen wäre, das es so in der Historie noch nie gab. In Vergangenheit wurden die Emerging Marktes stets von „Devisennot“ geplagt und die Anleihen regelrecht „zerquetscht“, wodurch viele relativ arme jedoch oft an Rohstoffen reiche Länder gezwungen waren ihre Rohstoffe zu tiefen US-Dollarpreisen zu verscherbeln.

Anstatt eine historische Abkehr von westlicher Dominanz und Dollar-Hegemonie zu beklagen, sollten Investoren diese aufstrebende neue Weltordnung darum nutzen, um ihr Depot zu diversifizieren, wie Gave es beschreibt.

Im Gegensatz zu US$-Anleihen seien Anleihen von Schwellenländern, die auf ihre eigenen Währungen lauten, selten so attraktiv wie heute. Die Kombination aus ihren höheren Renditen und ihren niedrigen lokalen Währungen im Vergleich zum gegenwärtig hohen Dollarstand, würden sie attraktiv machen.

Einige Beispiele für hochverzinste Lokalwährungsanleihen finden Anleger bei der Börse München mit dem Anleihenfinder. Nach meinem Geschmack wäre die brasilianische Anleihe mit mittlerer Laufzeit aus Renditesicht spannend, wie die XXXXXXXXXXXXXXXXXXX BRL-Anleihe (ISIN: XXXXXXXXX) mit einem Kupon von 10,75% und einer Rendite bis zur Rückzahlung 2028 von ca. 9% jährlich.

Brasiliens Real verlor über die letzten 10 Jahre gegenüber dem US-Dollar beträchtlich an Wert. Sollte sich der Real positiver entwickeln, könnten Anleger neben den Zinsen weitere Währungsgewinne erwarten. Allerdings möchte ich betonen, dass „Papiergeld-Währungen“ zueinander stark schwanken und darum für mich allenfalls eine Ergänzung wären. Wer vor Währungsabwertung und Inflation geschützt bleiben möchte, sollte in Korrekturphasen lieber die Aktien der Schwellenländer kaufen, wie ich Ihnen dies mittels einem Brasilien ETF in der Monatsausgabe 9/2023 von Dezember 2023 vorgestellt hatte.

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BRICS Länder bereiten sich auf die multipolare Weltordnung vor! https://cambridge-club.com/brics-laender-bereiten-sich-auf-die-multipolare-weltordnung-vor/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=brics-laender-bereiten-sich-auf-die-multipolare-weltordnung-vor Sat, 26 Aug 2023 14:12:56 +0000 https://cambridge-club.com/?p=1875 Die BRICS+ Länder haben Anfang dieser Woche ihr Gipfeltreffen begonnen. Der ganz große Wurf – wie es eine einheitliche Goldwährung zum Ausgleich der gegenseitigen Handelsbilanz wäre – dürfte bei dem Treffen allerdings ausbleiben.Die Marktstrategin Lyn Alden argumentierte, dieses Modell sei fehlerhaft: „Die Unterlegung eines fraktionierten Bankensystems mit Gold funktioniert nur vorübergehend, weil sich die Währungen […]

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Die BRICS+ Länder haben Anfang dieser Woche ihr Gipfeltreffen begonnen. Der ganz große Wurf – wie es eine einheitliche Goldwährung zum Ausgleich der gegenseitigen Handelsbilanz wäre – dürfte bei dem Treffen allerdings ausbleiben.

Die Marktstrategin Lyn Alden argumentierte, dieses Modell sei fehlerhaft:

„Die Unterlegung eines fraktionierten Bankensystems mit Gold funktioniert nur vorübergehend, weil sich die Währungen schneller vermehren als das Gold“.

Stattdessen sieht Alden ein wahrscheinlicheres Ergebnis darin, dass die BRICS-Staaten ihre Abhängigkeit vom US$ für grenzüberschreitende Zahlungen verringern, indem sie zunehmend ihre eigenen Währungen für den Handel verwenden und den China-Handel insbesondere mit chinesischen Yuan abwickeln dürften.

Es ein offenes Geheimnis, dass sich die Führer der BRICS vor einer „Dollar-Schwemme“ fürchten.

So sprach Dilma Rousseff, die ehemalige Präsidentin Brasiliens und Leiterin der New Development Bank davon, dass die BRICS von einem unipolaren (US-dominierten), zu einem multipolaren Weltfinanzsystem umschwenken sollten. Diese Pläne stehen im Widerspruch zur Interpretation unserer westlichen Leitmedien, die weiterhin an der Dollar-Vorherrschaft glauben wollen, obwohl der BRICS- Anteil der Weltwirtschaft mittlerweile über das Niveau der G7-Staaten gewachsen ist:

Diese stetige Erhöhung der Bedeutung der BRICS – vor allem in den Sektoren Energie, Rohstoffe und Industrie – spiegelt sich meines Erachtens nicht an den Kapitalmärkten wider, die über die letzten Jahre von einem enormen Anstieg der US-Technologie- und Startup-Industrien geprägt waren. Dafür waren besonders die tiefen Zinsen ausschlaggebend, die Risikoanlagen spannender machte, gegenüber höher „verzinsten“ Value-Aktien oder Anleihen.

Laut einer aktuellen Analyse der Bank of America würde der US-Staatshaushalt – ohne eine Korrektur bei den Zinsen oder Ausgaben – schon in wenigen Jahren auf das Niveau des 2. Weltkriegs bei 44% des gesamten Wirtschaftsaufkommens wachsen.

Vermutlich werden sie den US-Dollar nicht generell ablehnen, so lange man für diesen noch Waren und Dienstleistungen in aller Welt kaufen kann. Allerdings werden die Vorteil von Bankreserven im Dollarraum natürlich geringer je mehr Dollar in Umlauf kommen und je kleiner der Handel mit dem Dollarraum wird.

Die US-Notenbank von Dallas stellte fest, dass während das Handelsvolumen Chinas mit den USA seit 2001 bis zum Ausbruch der Pandemie zunächst stark zugenommen und beinahe einen Anteil von 20% erreichte, es mittlerweile unter das Niveau seiner Nachbarländer Mexiko und Kanada zurückgefallen ist. Die Bedeutung Chinas für den US-Außenhandel fällt damit beinahe auf ein relatives 20-Jahrestief, das zuletzt in den Jahren 2005/06 erreicht wurde. Gleichzeitig wuchs im vergangenen Jahr der Handel zwischen den BRIC-Ländern und hierbei besonders der Handel zwischen China und Russland um über 70%. Die aktuellen Daten aus China, die in der folgenden Grafik noch keine Berücksichtigung fanden, bestätigen, dass die Lieferungen in die USA im Juli um 23,1 % zurückgegangen sind.

Es läuft weiterhin darauf hinaus, dass mit den BRICS und USA/EU zwei Wirtschaftsräume entstehen. Wobei die BRICS vor allem ihre Waren, vor allem Rohstoffe, gegen preiswert produzierte Güter aus China tauschen können, wobei sie ihre überschüssigen Reserven eher in Gold investieren, ohne die Verwässerung der Währungsreserven befürchten zu müssen. Weiterhin haben wir es auf der anderen Seite mit dem westlichen Euro- und Dollarraum zu tun, der vor allem Wissen & Dienstleistungen offeriert. Wobei diese Waren aus den USA und Europa mitunter weniger gefragt sind.

Über die Vor- und Nachteile dieser Abhängigkeit lässt sich diskutieren, aber es ist allgemein bekannt, dass dieser Dollarzentrismus den heimischen Markt der USA bevorteilt, der von der Kreditvergabe und Dienstleistungsgesellschaft abhängig ist und zu wenige Wachstumsimpulse für die Weltwirtschaft generiert, die von einer Erhöhung des allgemeinen Produktionsniveaus profitiert.

Zu diesem Ergebnis kommt auch Jacques Sapir, der in seinem Beitrag für das American Affairs Journal, Volume VI, Ausgabe 4 (Winter 2022): Seiten 81–86, eine

„Geostrategische Bewertung der russischen und chinesischen Wirtschaft“ durchführte und feststellte:

„In Kriegszeiten verlieren die Dienstleistungen gegenüber der Landwirtschaft, der Industrie und dem Baugewerbe an Bedeutung. Es ist dann notwendig, den Anteil der güterproduzierenden Sektoren in verschiedenen Volkswirtschaften zu berechnen, um ein genaues Bild davon zu bekommen, wie sie wirklich im Vergleich stehe“.

Nach dieser Betrachtung sei die Wirtschaft Russlands größer als Deutschland, gemessen am kaufkraftbereinigten Ausstoß (PPP) seiner Produktionswirtschaft und das trotz erheblicher Sanktionen und finanzieller Probleme, die den Geld- und Warenfluss stören.

Ich gebe zu, dass die Ergebnisse von Herr Sapir durchaus kontrovers diskutiert werden sollten und zwischen dem Lebensstandard von Russland und Deutschland noch eine große Lücke klafft.

Allerdings bestätigen die jüngsten Veröffentlichungen aus Deutschland in die gleiche Richtung, dass Deutschland nicht mehr unwidersprochen als ein führendes Industrieland gelten kann.

Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland (PMI) präsentierte sich mit einem weiteren Absturz, wie es ihn seit Mai 2020 nicht mehr gegeben hat. Währenddessen die Politiker künftig einfach mehr Geld drucken wollen, um ihre Maßnahmen zu finanzieren.

Die Biden Administration hat in den ersten 10 Monaten seines Haushaltsjahres ein Defizit von 1,62 Billionen Dollar angehäuft, wie aus dem Monatsbericht des Congressional Budget Office für Juli hervorgeht. Ohne die Verschiebung einiger Zahlungstermine wäre das Defizit laut CBO mit 1,7 Billionen Dollar sogar noch höher ausgefallen und entspricht einem Anstieg von 131 % gegenüber dem Vorjahr. Der größte Posten bei den Ausgaben in diesem Jahr waren bisher die Zinsen für die offenen Kredite, die um 146 Mrd. US$ auf 572 Mrd. US$ bzw. 34 % der Ausgaben hochschnellten.

Mit einer solchen extremen finanziellen Lockerung sind die BRICS als Einheit nicht mehr einverstanden, denn sie fürchten den "Verwässerungseffekt", der durch die immensen Doppeldefizite aus der Haushalts- und Handelsbilanz entstehen.

Darum mussten die Zentralbanken der USA und EU mittlerweile reagieren und haben nun die Zinsen erhöht, um Billionenguthaben wieder positiv zu verzinsen. Nur wird das nicht mehr lange funktionieren, weil ganz einfach die mit Krediten aufgeblähte Wirtschaft dabei nicht mitspielt.

Zudem ist die Realisierung der nächsten Stufe der geplanten Energiewende praktisch unisono von tiefen Zinsen abhängig, sonst würden diese Investitionen mit niedriger Effizienz sich niemals gegenüber konventionellen Energiequellen rechnen.

Jeremy Grantham, Mitbegründer der in Boston ansässigen Investmentfirma Grantham Mayo Van Otterloo (GMO), sagte vor wenigen Wochen erneut eine nicht abzuwendende Rezession in den USA voraus, die "vielleicht bis weit ins nächste Jahr hineinreicht".

Laut Danielle Park, Autor des Finanzblogs Juggling Dynamite:

„In der Zwischenzeit bewegt sich die Geldpolitik mit mehrmonatiger Verzögerung durch die Wirtschaft, und der Großteil der raschen Straffung seit März 2022, die gerade erst zu wirken beginnt, wird das globale BIP-Wachstum in den nächsten 18 Monaten bremsen.“

Der Verzögerungseffekt steigender Zinsen, wird sich bis Ende 2024 stark auswirken:

Weiter betont Frau Park:

„Die relative Überbewertung von Aktien gegenüber Staatsanleihen ist heute so extrem wie seit mindestens 35 Jahren nicht mehr (der Wilshire 5000 im Vergleich zu den Anleihekursen ist unten seit 1990 dargestellt) - und deutet darauf hin, dass eine epische Mittelwertumkehr bevorsteht, bei der die Aktienkurse fallen und die Kurse von Staatsanleihen steigen.“

Ein weiteres Argument für fallende Aktienkurse, ist die sinkende Aufnahmebereitschaft für immer mehr Anleihen.

Viele Entwicklungsländer legen 60 % ihrer Reserven in Form von Staatsanleihen in den USD an - in der Regel sind sie preisunempfindliche Käufer. Allerdings ist die Nachfrage in den Entwicklungsländern, die über 300 Mrd. USD ausmacht, versiegt.  Der Ökonom Edward Yardeni führte in seiner Analyse an, dass die ausländischen Käufer von US-Staatsanleihen weiter austrocknen würde.  

Gold ist ein historisch stabiler Wert, der jetzt, da Staatsanleihen international in Ungnade fallen, eine der wenigen Optionen darstellt, um sich vor der Dollarabwertung zu schützen.

S&P stufte diese Woche mehrere US-Banken unter Hinweis auf schwierige Bedingungen ab

Zuvor hatte Moody's im vergangenen Monat 10 Banken herabgestuft und ein Analyst von Fitch warnte letzte Woche auf CNBC, dass man gezwungen sein könnte, Dutzende von Banken herabzustufen, darunter auch JPMorgan Chase.

Meine Meinung: Der BRICS Einfluss wächst langsam aber stetig

Für den neuen Wirtschaftsblock der BRICS-Länder unter der Führung des produktivsten und größten Warenproduzenten Chinas, ist ein höheres Maß an Kooperation, und Integration des Finanzsektors zwingend nötig, um neue Wachstumsperspektiven zu erschaffen. Besonders aus China fehlen derzeit neue Wachstumsimpulse. Das Wirtschaftswachstum 2023 könnte dabei unter das Ziel von 5% sinken, wobei ich betonen möchte, dass die meisten globalen Industrieländer nicht einmal mehr in die Nähe solcher Wachstumsraten kommen und die EU dieses Jahr höchstens mit 1% wachsen dürfte.

Der Yale Professor und ehemalige Chefökonom der Investment Bank Morgan Stanley, Stephen Roach, merkte in einem Artikel für die Finanzial Times an:

„Die Mischung ist das Problem. Je nach Maßstab kontrolliert der (chinesische) Staat immer noch mindestens 30-40 Prozent der Wirtschaft. Daraus folgt, dass bei der Bewertung der potenziellen Rückzahlung der jüngsten politischen Stimuli Chinas Vorsicht geboten ist. Die People's Bank of China hat begonnen, die Zinssätze geringfügig zu senken. Es ist jedoch schwer zu glauben, dass dies in einer schwächelnden Wirtschaft, die bereits zu sehr von zinsabhängigen Investitionen in Produktionskapazitäten, Infrastruktur und Bauwesen abhängig ist, viel bewirken wird. (…) Pan Gongsheng, der neue Gouverneur der Zentralbank, hat angedeutet, dass die PBoC die vernünftigen Finanzierungsanforderungen der Bauträger unterstützen würde.“

Ebenfalls zurückhaltend gegenüber Chinas Lockerungspolitik bleibt auch Aaron Castello, der führende Asien-Analyst bei Cambridge Associates. Chinas Regierung seien zurzeit eher die Hände gebunden und man dürfte planen in den kommenden Monaten darauf zu warten, bis die US-Notenbank hinsichtlich ihrer Straffungsmaßnahmen resignieren. Erst wenn die Zinsen im Einklang mit den USA gesenkt werden, könnte das für Wachstum bei den weltweiten Investitionen sorgen, ohne die Wechselkurse zu stark zu gefährden.

Langfristig spielt den BRICS aus meiner Sicht der höhere Anteil an der Weltbevölkerung und sein Rohstoffreichtum in die Hände. Je höher zudem der Anteil der ideologisch geprägten und unproduktiven Investitionen wird, desto schneller fällt der Außenwert des Dollars. Das führt zu einem Umdenken und Gegenmaßnahmen der BRICS-Länder.

Mittlerwiele ist es bereits bestätigt:
Das BRICS-Bündnis großer Schwellenländer soll sich von fünf auf elf Mitglieder vergrößern. Das haben die bisherigen Mitglieder Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika auf ihrem Gipfel in Johannesburg am Donnerstag beschlossen. Die neuen Mitglieder sollen zum 1. Januar 2024 beitreten.

Aufgenommen werden sollen Saudi-Arabien, der Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate, Argentinien, Ägypten und Äthiopien. Damit werden gleich vier Länder aus der arabisch-muslimischen Welt Mitglied.

Die Aussichten für unsere Strategie des realen Werterhalts mit Edelmetallen und Rohstoff- und insbesondere Energie-Aktien bleiben darum sehr günstig.

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